Der"etwas andere" Umgang mit Demenz

               

        

       

              

Was versteht man eigentlich unter Demenz? 

           

Demenz ist ein langsamer Prozess, der sich über Jahre erstreckt. Es kommt zu chronisch fortschreitenden, degenerativen Verände-rungen des Gehirns. Dabei tritt der Verlust der Denkfähigkeits und des Urteilvermögens auf, begleitend von einer Veränderung der Persönlichkeit, des Verhaltens und der Fähigkeit, auf sich selbst aufzupassen.

        

Die häufigste Form der Demenz ist Alzheimer Demenz mit ca.

60 %.

         

Demenz ist eine Krankheit der Gefühle. Sie ist meiner Meinung nach eine Krankheit, die unsere Welt und unsere Zeit spiegelt.

         

Am Anfang kann sich der Demenzerkrankte noch einigermaßen zurecht finden, mit einigen Lücken im "Informationsfluss". Doch fühlt er sich zusehends überfordert, den Anforderungen der leistungsgeprägten Gesellschaft gerecht zu werden.

        

Das Hier und Jetzt wird immer schwerer zu bewältigen und eine Zu- kunft scheint es nicht mehr zu geben. Somit zieht sich ein Demenz-erkrankter immer mehr in sich selbst zurück, in die Vergangenheit, zu seiner ureigendsten Gefühlswelt.

        

Der Umgang mit allen Bezugspersonen vollzieht sich mit dem Fortschreiten der Krankheit mehr und mehr auf der Gefühlsebene.

         

Der Geist schwindet, die Gefühle bleiben.

        

Ein Wandel im Denken, Handeln und Fühlen für alle Beteiligten wird unumgänglich.

                 

         

Die Gefühlswelt - Eintritt in eine neue Welt       

              

Voraussetzung beim Umgang mit Menschen mit Demenz ist die tiefe Achtung der Menschenwürde, sowie Interesse und Sympathie für verwirrte (zumeist alte) Menschen.

          

Wichtiger als spezielle fachliche Fähigkeiten ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit aller Menschen, die bei der Betreuung von Demenzerkrankten mitwirken.

           

Mit der Auflösung der geistigen Fähigkeiten geht bei den Demenz-erkrankten eine hohe Sensibilität für Atmosphäre und emotionale Stimmungen einher. Die Erkrankten reagieren sofort mit Gefühlen wie Unruhe, Angst und Aggressivität, wenn Spannungen in ihrem menschlichen Umfeld auftreten.

         

Demenzerkrankte leben in einer ständigen existenziellen Bedrohung. Sie sind alleine völlig hilflos. Ihre Identität löst sich langsam auf und sie kämpfen um jeden Rest ihrer Selbstachtung und Selbstbestimmung.

         

Um die Welt der Demenzerkrankten verstehen zu können, müssen wir in die Realität dieser Menschen eintauchen, d. h. die Gefühls- welt  dieser Menschen verstehen lernen.

          

Dabei ist es wichtig, zwischen der Gefühlswelt der Demenz-erkrankten und der Gefühlswelt ihrer Kontaktpersonen zu unter-scheiden, um eine zwischenmenschliche Verbindung zwischen Erkrankten und Kontaktperson herstellen zu können.

     

                 

Was ist der "etwas andere Umgang" mit Demenz?

         

Verweilen Sie mit Ihren an Demenz erkrankten Lieben nicht länger in der bisherigen, häufig angst- und krankmachenden (Gefühls-) Welt, sondern nutzen Sie - am besten ab sofort - die im Rahmen der vorstehenden Registerkarten aufgezeigten vielfältigen Türen zur Gefühlswelt der Demenzerkrankten AKTIV für einen Eintritt in einen positiveren, angstfreien Umgang.

         

Bis heute wissen wir nicht, warum Menschen an Demenz erkranken. Mit dem "Vergessen" verschwindet auch ganz allmählich der Mensch, der er einmal war.

         

Der Nobelpreisträger und Gehirnforscher Eric Kandel sagt:

         

"Wir sind wer wir sind, aufgrund dessen, was wir lernen und woran wir uns erinnern." 

         

Die "Erinnerung" an angenehme, freudvolle Momente, sowohl auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene, kann bei Demenzer-krankten ein positives bzw. sinnvolles Lebensgefühl im Hier und Jetzt entstehen lassen.

          

Vielleicht können die vorstehenden Informationen helfen, ein neues "vernetztes Wohlbefinden" in den Gehirnen der Demenzkranken zu erreichen.

            

Vielleicht können neu erlebte Gefühle bei Demenzerkrankten sogar dazu beitragen, dass sich die Gehirnstrukturen verändern.

           

Wenn sich neue Verknüpfungen in den Gehirnzellen bilden, ist es, wie eine neue Zukunft zu schauen.

         

Wäre es nicht ein wunderbares Ziel, beim Umgang mit Demenz, wieder Hoffnung zu haben?

             

Ich persönlich bin der festen Überzeugung:

        

"Wir müssen Menschen mit Demenz so begegnen, als ob die Krankheit heilbar wäre."

         

          

 

 

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