Die Diagnose Demenz bedeutet für die betroffenen Menschen meist eine auswegslose Situation. Sie fühlen sich ausgegrenzt und hilflos. Die Krankheit ist chronisch fortschreitend und gilt bis heute als unheilbar.
Um dieser Krankheit die dunklen Schatten und das gesellschaftliche Verschweigen zu nehmen, bedarf es noch viel Aufklärungsarbeit. Im Rahmen dieser Aufklärungsarbeit sind alle sogenannten "gesunden Menschen" gefordert, die Demenzerkrankten in ihre Mitte zu holen, indem sie versuchen, einen neuen Zugang in deren Welt zu finden. Beim Eintritt in die Welt der Demenzerkrankten sollten sich die "gesunden Menschen" im Sinne dieser Menschen stets fragen: "Was ist das Beste?", denn dann fragen sie nicht mehr nur "Was ist das übliche?".
Bei der Suche nach den Antworten auf die Frage "Was ist das Beste?" für alle Beteiligten, sowohl die Demenzerkrankten selbst, als auch deren Kontaktpersonen (z. B. Angehörige, Freunde, Ärzte, Therapeuten usw.) möchte ich mit den nachfolgenden Informationen neue Denkanstöße geben.
Demenz ist ein langsamer Prozess, der sich über Jahre erstreckt. Es kommt zu chronisch fortschreitenden, degenerativen Veränderungen des Gehirns. Dabei tritt der Verlust der Denkfähigkeits und des Urteilvermögens auf, begleitend von einer Veränderung der Persönlichkeit, des Verhaltens und der Fähigkeit, auf sich selbst aufzupassen.
Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer Demenz mit ca. 60 %.
Demenz ist eine Krankheit der Seele. Sie ist meiner Meinung nach eine Krankheit, die unsere Welt und unsere Zeit spiegelt.
Am Anfang kann sich der Demenzerkrankte noch einigermaßen zurecht finden, mit einigen Lücken im "Informationsfluss". Doch fühlt er sich zusehends überfordert, den Anforderungen der leistungsgeprägten Gesellschaft gerecht zu werden.
Das Hier und Jetzt wird immer schwerer zu bewältigen und eine Zukunft scheint es nicht mehr zu geben. Somit zieht sich ein Demenzerkrankter immer mehr in sich selbst zurück, in die Vergangenheit, zu seiner ureigendsten Gefühlswelt.
Der Umgang mit allen Bezugspersonen vollzieht sich mit dem Fortschreiten der Krankheit mehr und mehr auf der Gefühlsebene.
Der Geist schwindet, die Gefühle bleiben. Ein Wandel im Denken, Handeln und Fühlen für alle Beteiligten wird unumgänglich.
Voraussetzung beim Umgang mit Menschen mit Demenz ist die tiefe Achtung der Menschenwürde, sowie Interesse und Sympathie für Verwirrte und zumeist alte Menschen.
Wichtiger als spezielle fachliche Fähigkeiten ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit aller Menschen, die bei der Betreuung von Demenzerkrankten mitwirken.
Mit der Auflösung der geistigen Fähigkeiten geht bei den Demenzerkrankten eine hohe Sensibilität für Atmosphäre und emotionale Stimmungen einher. Die Erkrankten reagieren sofort mit Gefühlen wie Unruhe, Angst und Aggressivität, wenn Spannungen in ihrem menschlichen Umfeld auftreten.
Demenzerkrankte leben in einer ständigen existenziellen Bedrohung. Sie sind alleine völlig hilflos. Ihre Identität löst sich langsam auf und sie kämpfen um jeden Rest ihrer Selbstachtung und Selbstbestimmung.
Um die Welt der Demenzerkrankten verstehen zu können, müssen wir in die Realität dieser Menschen eintauchen, d. h. die Gefühlswelt dieser Menschen verstehen lernen.
Dabei ist es wichtig, zwischen der Gefühlswelt der Demenzerkrankten und der Gefühlswelt ihrer Kontaktpersonen zu unterscheiden, um eine zwischenmenschliche Verbindung zwischen Erkrankten und Kontaktperson herstellen zu können.
In seiner wissenschaftlichen Arbeit über Spiegelneuronen beschreibt Prof. Dr. Joachim Bauer die Wirkungsweise von Spiegelneuronen wie folgt:
Neurobiologische Beobachtungen haben das Verständnis der Seele - sowohl ihrer gesunden Funktionen als auch ihrer Störungen - in den letzten Jahren entscheidend vertieft.
Es bleibt die Frage: Wie ist es möglich, dass das, was ein Mensch aktuell fühlt oder was sein Handeln leitet, von anderen Menschen schnell und spontan erfasst werden kann? Wodurch stellt sich in uns, ohne dass wir dies in einem langen Reflektions-prozess "ausrechnen" müssen, ein spontanes, intuitives Wissen darüber ein, was andere Menschen um uns herum fühlen oder im Sinn haben? Warum brauchen wir keine Studien, um uns als Menschen gegenseitig zu verstehen, um mitfühlend Anteil aneinander nehmen zu können?
Dabei scheint die Gehirnforschung beim Beantworten dieser Fragen vor der Aufklärung zu sein. Grund ist die Entdeckung der sogenannten Spiegelneuronen.
Diese Spiegelnervenzellen wurden mittlerweile in allen Zentren des Gehirns gefunden, in denen Erleben und Verhalten gesteuert wird. Entdeckt wurden Sie von dem italienischen Wissenschaftler Giacomo Rizolatti und seinem Team.
Das besondere an Spiegelneuronen: Sie scheinen für das innere Imitieren (Nach-ahmen) fremder Aktionen zuständig zu sein. Möglicherweise bildet diese Fähigkeit sogar das Fundament von Mitgefühl, Sprache und Denken. Denn wie aktuelle Studien mittels bildgebender Verfahren zeigen, erzeugt das bloße Beobachten der Handlungen Anderer in verschiedenen Hirnarealen von Menschen eine neuronale Resonanz. Genau dies könnte helfen, die Absichten Anderer intuitiv nachzuvollziehen.
Die Spiegelneuronen "feuern" nicht nur dann, wenn wir was am eigenen Körper erle-ben, sondern auch dann, wenn wir "nur" Menschen beobachten. Wir besitzen also Nervenzellen für Empathie (Einfühlungsvermögen) und Mitgefühl.
Eine wichtige Eigenschaft der Spiegelneuronen macht also deutlich: Sie ermöglichen uns nicht nur, das Erleben oder Verhalten eines anderen Menschen zu verstehen, sondern sie haben darüber hinaus eine Tendenz, im Beobachter das wirken zu lassen, was er wahrnimmt.
Eine gezielte Anregung der Spiegelzellaktivität kann somit die Rehabilitation von Gehirnzellen unterstützen.
Wenn wir uns im Umgang mit Demenzkranken die Wichtigkeit der Spiegelneuronen, also die "Spiegelfunktion", zu Nutze machen, ist es vielleicht möglich, ein "Umdenken" zu erreichen.
Dabei ist es hilfreich, beim Erspüren der Gefühle von Demenzerkrankten zuerst die eigenen Gefühle "in Ordnung" gebracht zu haben.
Auch bei allen nachfolgend von mir vorgestellten Eintrittsmöglichkeiten (= Türen) zu Gefühlswelten von Demenzerkrankten und deren Kontaktpersonen prägen Spiegelneuronen unser gesamtes Erleben und Handeln.
Musik ist meist der direkte erste Zugang zu Demenzerkrankten.
Sowohl beim Erstkontakt als auch wenn es scheint, dass kein Kontakt mehr möglich ist, hilft sie uns eine musikalische Brücke zwischen Demenzerkrankten und Bezugspersonen zu bauen.
"Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden, da spricht Seele zu Seele." (Berthold Auerbach, deutscher Schriftsteller)
Musikforscher gehen davon aus, dass Gefühle in den Regionen des Gehirns entstehen, in denen auch Melodien und Rhythmen verarbeitet werden.
Bei der Verarbeitung musikalischer Eindrücke sind beide Hirnhemisphären beteiligt. Mittels PET (Positronenemissionstomografie) gelingt es den Forschern Aussagen darüber zu treffen, welche Hirnareale beim Hören von Musik aktiv sind. Mit PET können lokale Hirndurchblutungsänderungen erkannt und abgebildet werden.
Ergebnis: Die Musik hat eine große Wirkung auf das lymbische (gefühlsmäßige) System im Gehirn, das als Tor zur Emotion bezeichnet werden kann.
Begriff der Neuroplastizität Das Gehirn ist nicht statisch, sondern verändert sich stetig. Es verarbeitet bestimmte Reize immer wieder neu und passt sich dabei den Bedingungen und Gegebenheiten der Umgebung an. Dadurch verändern sich die Stärken der Verbindungen zwischen den Nervenzellen in den betreffenden Bereichen der Gehirnrinde.
Folgen für das Musikhören Jede Form von gehörter oder selbst gespielter Musik führt zu Veränderungen im Zentralnervensystem.
Musik wirkt sich nicht nur auf unser körperliches Wohlbefinden aus, sondern beeinflusst in erstaunlicher Weise auch unser Denken, Fühlen und Handeln.
Musik ermöglicht den Menschen in wunderbarer Weise einen Zugang zu ihren Gefühlen. Beim bewussten Zuhören von Musik können wir die Auswirkungen auf unsere Gefühle wahrnehmen. Dies zeigt sich auch z. B. am Puls, Blutdruck, Atmung usw., also auch körperlich.
Bestimmte Musik scheint ein Umfeld des Vertrauens und der Offenheit zu schaffen, das es den Zuhörern erlaubt, ihre Seele offen zu legen und ihre Lasten abzuschütteln. Musik kann tief vergrabene Gefühle ans Licht bringen. Auch gemeinsames Singen oder Tanzen kann unsere Atmung synchronisieren, auch der synchrone Herzschlag von Therapeut und Patient ist ein häufig beobachtetes Phänomen.
Die Musik verbindet die Köpfe und Herzen der Menschen und führt zu einer Bindung, die auf magische Art gegenseitige Offenheit fördert.
Wir haben keine freie Verbindung zu unserer Gefühlswelt. Um wieder neues Lernen und Informationen aufnehmen zu können, um wieder kreativ und erfinderisch sein zu können, müssen wir Zugang zu unseren Gefühlen finden und lernen, sie auszudrücken.
Die Musik, insbesondere die klassische Musik, hilft uns, den Schlüssel zu unseren Gefühlen und damit zu unserer Seele zu finden. Sie kann Sicherheit und Halt geben, Heilung fördern. Sie hat eine Spiegelfunktion. Jeder versteht ihre Sprache. Musik berührt uns Menschen - jeden auf seine eigene Weise.
Aromatherapie ist ein möglicherweise geeigneter Therapieansatz zur Behandlung von Demenz. Das berichten Wissenschaftler um Alistair Burns von der University of Manchester.
Düfte sprechen jeden Demenzerkrankten auf einer sinnlichen Ebene an und öffnen so den Zugang zu seinem Inneren. Bei vielen neurogenerativen Erkrankungen wie Alzheimer gehören Beeinträchtigungen des Geruchssinns zu den ersten meßbaren Symptomen.
Die Fähigkeit bestimmter ätherischer Öle zur Steigerung des menschlichen Wohlbefindens oder zur Beruhigung bei Stress, lässt sich mit Methoden der Aromakologie (Wissenschaft zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Psychologie und Geruchswahrnehmung) nachweisen.
Diese wissenschaftliche Disziplin, deren Bezeichnung ein Kunstwort aus Aroma und Psychologie darstellt, untersucht mit Hilfe experimenteller Methoden die Wirkung von Duftstoffen auf die Gefühlswelt.
Wie kann man die Wirkung von Duftstoffen auf die Psyche, die doch weitgehend am Bewusstsein vorbeigeht, wissenschaftlich untersuchen? Hier kann man sich der Wirkungen von Düften auf körperliche Veränderungen bedienen, die bestimmte Gefühle begleiten.
Dass der Mensch emotional auf Gerüche reagiert, ohne sich dessen immer bewusst zu sein, ist vermutlich biologisch bedingt. Die Ursache liegt in der Bauweise unseres Gehirns: Das Geruchszentrum ist eng mit dem "emotionalen" lymbischen System verbunden, so dass Düfte ohne Umweg über die Großhirnrinde auf unsere Gefühle einwirken. Dies geschieht unbemerkt und äußerst schnell. Gerüche eignen sich deshalb auch vortrefflich als zwischenmenschliches Warnsignal.
Das bedeutet: Bevor man einen Geruch intellektuell wahrnehmen, benennen und bewerten kann, hat er das Gefühlsleben schon längst beeinflusst, ja manchmal sogar manipuliert.
Unsere Reaktion auf Gerüche hängt mit dem emotionalen Kontext zusammen, indem wir sie das erste Mal wahrgenommen haben. So erklärt sich auch, warum bestimmte Düfte vor allem Erinnerungen an die Kindheit wecken und nicht etwa an spätere Erfahrungen mit dem selben Geruch.
Seit man um diese Macht der Düfte weis, versteht man auch, warum sie so eine intensive Wirkung auf die Seele haben können. Düfte können beruhigend sein, geistig beflügeln, ein Gefühl von Geborgenheit geben, Kreativität wecken u. v. m.
Wir können die Augen verschließen, uns die Ohren zustopfen, aber die Luft können wir nur kurzfristig anhalten. Vom ersten bis zum letzten Atemzug umgeben uns Duftmoleküle und drängen auf Wahrnehmung. Kein Wunder, dass sensible Nasen oft gereizt reagieren.
Der Philosoph Immanuel Kant wirft dem Geruchssinn vor, dass er dem Menschen keine Freiheit lasse, eben weil der Mensch sich dem Geruchseindruck nicht dauerhaft entziehen könne.
Jeder Mensch besitzt einen einzigartigen Körpergeruch. In Zukunft wollen die Forscher nun untersuchen, ob und wie andere Menschen die persönliche Duftnote wahrnehmen. Ihre Ergebnisse könnten außerdem u. a. helfen, Diagnosemethoden für Krankheiten zu entwickeln, die den individuellen Geruch verändern.
Der Geruchsforscher Prof. Dr. Dr. Dr. habil Hanns Hatt beschreibt den aktuellen Stand der Erforschung des Riechens wie folgt:
Bei der Erforschung des Riechens sehen wir erst die sprichwörtliche "Spitze des Eisberges". Sicher werden in den nächsten Jahren noch neue bahnbrechende Entdeckungen dahingehend folgen, welche Funktion die Riechrezeptoren in Haut, Darm, Muskel oder Gehirn haben und daraus können völlig neue therapeutische Konzepte entstehen.
Wer sich dem Duft hingibt, kann erstaunliche Erfahrungen machen. Wie innere Bilder sind auch Düfte ein "Königsweg" zu unserer Seele. Beide lassen die innere Stimme eindringlicher sprechen und regen so einen Dialog mit sich selbst an in den sich niemand einmischen kann.
Mitunter lehnen Menschen gerade Düfte ab, die ihnen gut tun würden. Beim Umgang mit Düften sollten wir einfach der Weisheit des Unbewussten vertrauen.
Imagination ist wichtiger als Wissen (Albert Einstein).
Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. habil. Gerald Hüther beschreibt in seinem Buch "Die Macht der inneren Bilder - Wie Visionen das Gehirn der Menschen und die Welt verändern" das Wesen innerer Bilder wie folgt:
Innere Bilder - das sind all die Vorstellungen, die wir in uns tragen und die unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmen. Es sind Ideen und Vorstellungen von dem, was wir sind, was wir erstrebenswert finden und was wir vielleicht einmal erreichen wollen. Es sind im Gehirn abgespeicherte Muster, die wir benutzen, um uns in dieser Welt zurecht zu finden. Innere Bilder sind also maßgeblich dafür, wie und wofür wir unser Gehirn benutzen.
Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. habil. Gerald Hüther zum Thema Innere Bilder weiter:
In den letzten zehn Jahren ist es den Hirnforschern vor allem mit Hilfe der sog. bildgebenden Verfahren gelungen, nachzuweisen, welch nachhaltigen Einfluss frühe Erfahrungen darauf haben, welche Verschaltungen zwischen den Milliarden Nervenzellen besonders gut gebahnt und stabilisiert, und welche nur unzureichend entwickelt und ausgeformt werden.
Neue Erfahrungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens macht - und dafür haben die Molekularbiologen inzwischen zahlreiche Belege zusammengetragen - wirken bis auf die Ebene der Gene. Sie führen dazu, dass z. B Nervenzellen damit beginnen, neue Gensequenzen abzuschreiben und andere stillzulegen. Neue Erfahrungen verändern also die Genexpression. Im Gehirn geschieht dies bis ins hohe Alter und bildet die Grundlage für die lebenslange Plastizität und Lernfähigkeit dieses Organs. Allerdings machen wir die meisten Erfahrungen nicht am Ende, sondern am Anfang unserer Entwicklung. Während dieser Phase ist die erfahrungsabhängige Neuroplastizität - und damit die erfahrungsabhängige Modulation der Genexpression - zumindest im Gehirn am stärksten ausgeprägt.
Das Gehirn, so lautet die vielleicht wichtigste Erkenntnis der Gehirnforscher, lernt immer und es lernt das am besten, was einem Heranwachsenden hilft, sich in der Welt zurechtzufinden und die Probleme zu lösen, die sich dort und dabei ergeben. Das Gehirn ist also nicht zum Auswendiglernen von Sachverhalten, sondern zum Lösen von Problemen optimiert. Und da fast alles, was ein heranwachsender Mensch lernen kann, innerhalb des sozialen Gefüges und des jeweiligen Kulturkreises direkt oder indirekt von anderen Menschen "bezogen wird" und der Gestaltung der Beziehungen zu anderen Menschen "dient", wird das Gehirn auch nicht in erster Linie als Denk- sondern als Sozialorgan gebraucht und entsprechend strukturiert.
Innere Bilder entstehen durch unsere gesamten Erfahrungen und sind in unserem Gehirn gespeichert. Ob diese Erfahrungen in der Innen- oder Außenwelt gemacht werden, wird von unserem Gehirn nicht unterschieden. Innere Bilder scheinen aber einen Einfluss auf äußere Abläufe zu haben.
Überlebensentscheidungen und Abwehrmechanismen brechen bei fortschreitender Demenz weg. Dadurch erlebt der dementiell Erkrankte existenzielle, bislang unterdrückte nicht zugelassene Gefühle. Bilder und Erinnerungen kommen in ihrem damaligen Ausmaß an die Oberfläche. Zur Aufarbeitung ist es notwendig, dass neue Erfahrungen und Erkenntnisse in die Persönlichkeit integriert werden können.
Die äußeren Bilder und Reize können nicht mehr mit ihren inneren Bildern und Bedeutungen übereinander gebracht werden. Demenzerkrankte sind unsicher, weil sie merken, dass sie Dinge vergessen haben, die wichtig sind, um im Heute zu leben und an der Realität zu partizipieren.
Ein Demenzerkrankter reagiert deshalb empfindlich auf jeglichen Druck, der auf ihn ausgeübt wird. Er "antwortet" mit Angst, Unruhe, Aggression, Rückzug, Hilflosigkeit oder Verweigerung. Je komplexer seine eigene "verwirrte" Welt wird, desdo dringender braucht er Menschen um sich, die Mut, Durchhaltevermögen, Geduld und Zuversicht haben.
Neue Ergebnisse der Hirnforschung belegen, wenn wir uns mit unangenehmen Dingen beschäftigen, dann werden die Synapsen im Gehirn, die dafür zuständig sind, leistungsfähiger. Die Synapsen und Nervenzellen die sich für Zufriedenheit und Glück ausgebildet haben, werden dagegen schwächer. Da dieses Prinzip natürlich auch umgekehrt Gültigkeit hat, wäre es doch ratsam, sich öfter mit positiven Visionen auseinander zu setzen.
Gefühle, Bilder, Worte und eine entsprechende Haltung sind sowohl für den Demenzerkrankten als auch für seine Kontaktpersonen wertvolle Werkzeuge zur Veränderung ihres inneren Erlebens, denn: Wir arbeiten unbewusst ständig mit inneren Bildern. Wir ahnen nur noch nicht, welches Potenzial in der Kraft der Vorstellung steckt.
Bewegung in angemessener Form kann dem Demenzerkrankten gestatten, ohne Mißerfolgserlebnisse aktiv zu sein. Die dabei entstandenen positiven Gefühle können sich stärkend auf die Gefühlswelt der Dementen auswirken.
Wer sich vermehrt bewegt, verbessert die Gehirndurchblutung. Dafür genügt schon ein bloßer Spaziergang. Manche ältere Menschen aber auch Demenzerkrankte können besser denken, nachdem sie sich bewegt haben.
Wahrscheinlich fördert Bewegung auch die Aktivität des Gehirns. Außerdem kann sie die Stimmung anheben, was besonders für depressive Menschen von Vorteil ist. Körperliche Bewegung schützt zudem vor Gedächtnisverlust und hat sogar das Potenzial, den Schwund im Gehirn wieder zurück zu drängen.
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Personen, die im mittleren Alter zweimal in der Woche körperlich aktiv waren, ein um 60% verringertes Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken.
Amerikanische Studien bestätigen dies: Lockeres Ausdauertraining hilft nicht nur den Niedergang der kognitiven Fähigkeiten im Alter abzuwehren, durch sanften Sport kann der Verlust von Gehirnstrukturen im Alter sogar umgekehrt werden.
Neurowissenschaftler glauben auch, dass Bewegung ein wichtiger Bestandteil ist, um Demenz vorbeugend entgegen zu wirken. Gleichzeitig kann Sport aber auch helfen, (dass) Personen die bereits an Demenz erkrankt sind, das Gedächtnisvermögen wieder erlangen. Und Bewegung führt sogar dazu, dass das Gehirn wieder wächst.
Versuche an dementen Mäusen an der Universität Göttingen haben gezeigt, dass regelmäßiger Sport bzw. Bewegung die Gehirnfunktion verbessert hat. Neue Nervenzellen haben sich gebildet, gleichzeitig vernetzten die sich auch wieder miteinander.
Menschen mit Demenz haben oft Angst, dass sie bestimmte sportliche Betätigungen nicht mehr "richtig" ausführen können.
Um ihnen diese Unsicherheiten zu nehmen, ist es wichtig, sie am Anfang nicht gleich zu überfordern aber auch nicht zu unterfordern.
Bewegung sollte Freude bereiten. Der lockere ungezwungene und spielerische Umgang mit Bewegung kann die Gefühle von Unsicherheit, Scham, Mißtrauen, Trauer oder Wut umwandeln in körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden.
Am liebsten verbinden wir Berührungen mit etwas Angenehmen, Schönen, etwas das wir wollen, etwas das sich gut anfühlt, uns gut tut. Gerne identifizieren wir uns mit diesem Gefühl und fühlen uns gut - wir möchten in diesem Gefühl bleiben.
Berührungen können aber auch negative Gefühle auslösen.
Beim Umgang mit Demenzerkrankten sollten wir achtsam sein, wenn wir sie "berühren". Es ist immer eine Berührung mit unserem Selbst, die stattfindet.
Die Haut ist unser bei weitem größtes Organ, Millionen von sensiblen Nervenzellen registrieren selbst kleinste Reize. Über diese Zellen hat Berührung einen direkten Einfluss auf den Hormonhaushalt und das vegetative Nervensystem, wodurch Streß, Ängste und Verspannungen abgebaut werden und Schmerzen und psycho-somatische Beschwerden Linderung erfahren.
Auch in der Psychotherapie bekommt Berührung daher einen immer größeren Stellenwert, denn die Verbindung von Körperarbeit mit emotionalen Prozessen führt zu weit besseren Ergebnissen. Die Berührung ist ein wichtiges Kommunikationsmittel und schafft ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen, in dem sich emotionale Blockaden leichter lösen.
Berührung verbessert bei Demenzkranken Gedächtnisleistung und Stimmung, so wissenschaftliche Studien.
Wir leben heutzutage in einer Gesellschaft, die als ziemlich berührungsfeindlich gilt. Jeder Mensch braucht Berührung - sie ist ein Grundbedürfnis. Ohne Berührung sterben wir zwar nicht unmittelbar, aber wir verkümmern langsam, zuerst emotional, später körperlich.
Die körperlich und psychisch heilende Wirkung von Berührungen, sei es nun Massage oder andere körperliche Kontakte, ist wissenschaftlich längst erwiesen. Berührung hilft Körper und Seele zu entspannen und regt somit den Selbstheilungsprozess an.
Berührung ist nicht nur eine eigene (die erste in unserem Leben) Sprache, sie ist auch eine erstaunliche Medizin.
Das Unterbewusstsein reagiert nicht nur bei uns, sondern auch bei Demenzerkrankten mit der Empfindlichkeit eines Präzisionsinstrumentes auf jeden Gedanken.
Das bedeutet aber, dass die das Unterbewusstsein durchströmende unendliche Weisheit, Lebenskraft und Energie durch bewusste Gedanken geprägt wird und feste Form erhält.
Das Verständnis für die zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein bestehenden Wechselwirkungen befähigt, das ganze Leben von Grund auf zu verwandeln.
Um die äußerlichen Lebensumstände zu verändern, muss man zunächst einmal auf ihre Ursachen Einfluss nehmen. Die meisten Menschen versuchen, einen Wandel der äußerlichen Umstände und Gegebenheiten mit äußerlichen Mitteln herbeizuführen.
Um aber Verwirrung, Ungleichgewicht, Entbehrungen und alles andere, was das Lebensgefühl beeinträchtigt, aus der Welt zu schaffen, muss man das Problem an der Wurzel packen, d. h.: Das bewusste Denken völlig umstellen und in der Gedanken- und Vorstellungswelt eine völlig neue Ordnung begründen.
Denken Sie deshalb stets daran, dass es die Welt unseres Innenlebens ist - also unsere Gedanken, Gefühle und Vorstellungen - die die äußere Welt erschafft.
Der Begriff "Heraus-Forderung" besagt, dass wir alte Denk- und Verhaltensmuster verlassen müssen. Aufbruch ins Unerkundete!
Wir haben nichts zu verlieren - außer unseren Zweifeln.
Am Beginn meiner vorstehenden Informationen für neue Denkanstöße habe ich u. a. die These aufgestellt, dass sich "gesunde Menschen" beim Eintritt in die (Gefühls-)Welt der Demenzerkrankten stets fragen sollten: "Was ist das Beste?", denn dann fragen sie nicht mehr nur "Was ist das übliche?".
"Das Beste" in meinen Augen ist ...
Verweilen Sie mit Ihren an Demenz erkrankten Lieben nicht länger in der bisherigen, häufig angst- und krankmachenden (Gefühls-)Welt, sondern nutzen Sie - am besten ab sofort - die vorstehend aufgezeigten vielfältigen Türen zur Gefühlswelt der Demenzerkrankten AKTIV für einen Eintritt in einen positiveren, angstfreien Umgang.
Bis heute wissen wir nicht, warum Menschen an Demenz erkranken. Mit dem "Vergessen" verschwindet auch ganz allmählich der Mensch, der er einmal war.
Der Nobelpreisträger und Gehirnforscher Eric Kandel sagt:
"Wir sind wer wir sind, aufgrund dessen, was wir lernen und woran wir uns erinnern."
Die "Erinnerung" an angenehme, freudvolle Momente, sowohl auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene, kann bei Demenzerkrankten ein positives bzw. sinnvolles Lebensgefühl im Hier und Jetzt entstehen lassen.
Vielleicht können die vorstehenden Informationen helfen, ein neues "vernetztes Wohlbefinden" in den Gehirnen der Demenzkranken zu erreichen.
Vielleicht können neu erlebte Gefühle bei Demenzerkrankten sogar dazu beitragen, dass sich die Gehirnstrukturen verändern.
Wenn sich neue Verknüpfungen in den Gehirnzellen bilden, ist es, wie eine neue Zukunft zu schauen.
Wäre es nicht ein wunderbares Ziel, beim Umgang mit Demenz, wieder Hoffnung zu haben?
Wir müssen Menschen mit Demenz so begegnen, als ob die Krankheit heilbar wäre.
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